Drei Wörter Sätze

Predigt über 2. Mose 16,2-4.12-15 und Johannes 6,24-35

Pfarrer Matthias Blaha (rk) – in St. Anton, Ingolstadt

Quelle: Frohe Botschaft – Matthias Blaha

Wirkungsvolle Sätze mit nur drei Wörtern – sog. Drei-Wörter-Sätze

Vor kurzem habe ich einen sehr interessanten Gedanken einer jungen Schriftstellerin gelesen, den ich gern mit Ihnen teile, liebe Schwestern und Brüder. Es sind ganz oft Sätze aus drei Wörtern, die das Leben eines Menschen entscheidend verändern. (vgl. Juli Zeh, Schilf, S. 77. München 2009. ISBN 978-3-442-73806-9.)

Solche wirkungsvolle Drei-Wörter-Sätze klingen zum Beispiel so:
-> Ich liebe dich.
-> Opa ist tot.
-> Ich bin schwanger.

Nach solchen und anderen Drei-Wörter-Sätzen ist das Leben für den, der sie hört, nicht mehr dasselbe wie zuvor.

So bedienen sich auch die Medien gern solcher Drei-Wörter-Sätze, um eine persönlich betreffende Botschaft zu vermitteln:
-> Wir sind Papst!
-> Du bist Deutschland!

Es ist schon was dran an den Drei-Wörter-Sätzen; gerade wenn sie im privaten Bereich auftauchen, eröffnen sie eine völlig neue Situation, setzen sie intensive Gefühle in Gang. Drei-Wörter-Sätze betreffen unmittelbar, betreffen den ganzen Menschen.

Wirkungsvolle Drei-Wörter-Sätze verwendet deswegen auch Gott, wenn er den Menschen etwas Entscheidendes sagen will.

Wir haben heute von zwei Beispielen erfahren, einem alt- und einem neutestamentlichen.
-> Ich bin da, sagt Gott seinem Volk Israel mitten in der Wüste.
-> Ich bin Brot, sagt Jesus allen, die ihm gefolgt sind.

ICH BIN DA
So lautet der Name Gottes im Alten Testament. Ich bin da – das ist mehr als ein Name, das ist ein Versprechen. Und Gott löst es ein.
Ich bin da, hat Gott bewiesen, indem er sein Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. Ich bin da, beweist Gott auch dann, als sein Volk in der Wüste landet. Gott gibt seinem Volk, was es braucht, um Kraft zu haben für den jeweils neuen Tag: Manna und Wachteln.

Mit dieser Erzählung, liebe Schwestern und Brüder, beschreibt der Verfasser unserer Lesung eine Erfahrung von gläubigen Menschen in Krisenzeiten – damals wie heute.

-> Da betest du regelmäßig, gehst in den Gottesdienst, versuchst anständig zu leben – und landest doch in der Wüste: In der Wüste der Krankheit, in der Wüste der Trauer, in der Wüste der enttäuschten Liebe, in der Wüste der Einsamkeit.

-> Natürlich beginnst du zu zweifeln: Gott, wo bist du? Oder du schimpfst Gott sogar: Was soll das, Gott? Willst du mich zugrunde richten? Warum lässt du mich so hängen?

-> Mitten in der Wüste deines Lebens erfährst du, dass Gott trotz aller Zweifel da ist. Gott verwandelt die Wüste deines Lebens nicht mit einem Schlag in einen blühenden Garten, nimmt also nicht automatisch alle deine Probleme weg, aber Gott gibt dir die Kraft, die du brauchst, um diesen Tag zu überstehen. Das Gleiche tut er morgen und übermorgen – so lang, bis du die Wüste Schritt für Schritt hinter dir lassen kannst. Diese Kraft von Gott findest du vielleicht im Manna eines Gesprächs mit einem guten Freund oder in der Wachtel einer lieben Aufmerksamkeit.

-> Und dann kannst du wieder glauben, weil du erfahren hast, dass Gottes Drei-Wörter-Satz stimmt: Ich bin da.

Der andere wirkungsvolle Drei-Wörter-Satz Gottes, ausgesprochen von Jesus, lautet:

ICH BIN BROT
Dass Jesus Brot ist, haben die vielen Menschen erfahren, die mit Jesus unterwegs waren, als er sie zum Teilen ermuntert und somit die Brotvermehrung möglich gemacht hat. So sind die Menschen satt geworden und wollen nun von Jesus wissen, was sie tun müssen, um satt, also zufrieden zu bleiben. Und Jesus antwortet mit einem weiteren Drei-Wörter-Satz: Glaubt an Gott! Denn er hat mich zu euch gesandt, damit ich mit euch unterwegs bin. Ich bin Brot, sagt Jesus deshalb. Wie das tägliche Brot begleite ich euren Alltag, gebe ich euch neue Energie, sorge ich dafür, dass es euch gut geht und dass ihr zufrieden seid.
Ich bin Brot: Mit diesem Drei-Wörter-Satz schlägt Jesus folgendes Verhalten vor:

-> Wenn es dir gut geht, wenn du glücklich und zufrieden bist, glaube daran, dass all das Gute aus Gottes Hand stammt! Gott hat es dir geschickt, damit du dich am Leben freuen kannst. Vergiss deinen Gott nicht in Zeiten des Glücks; im Gegenteil: Denk an ihn – und danke ihm. Zeig ihm, dass du an ihn glaubst und mit ihm rechnest.

-> Du erkennst dann, wie reich du von Gott beschenkt bist, wie gut es Gott mit dir meint. Das lässt dich wissen, dass Gott dich liebt, das macht dich in der Folge sogar noch glücklicher und zufriedener, weil du nämlich dankbar bist.

-> Und so wächst dein Vertrauen, dass Gott dich weiterhin begleitet – Tag für Tag, wie das tägliche Brot, und dass es sein größtes Anliegen ist, dir Freude am Leben und immer neue Energie dafür zu schenken. Denn Gott freut sich am allermeisten, wenn er dich glücklich sieht.

Ich bin da.
Ich bin Brot.

Liebe Schwestern und Brüder, seit Gott diese beiden Drei-Wörter-Sätze gesagt hat, ist das Leben der Menschen, die ihm dies glauben, nicht mehr dasselbe wie zuvor:

-> Die Menschen in der Wüste des Lebens, also die in der Krise, erkennen: Gott hat sich nicht von mir abgewandt! Er bleibt da bei mir und gibt mir die Kraft, die ich brauche, um Tag für Tag einen Schritt weiter in Richtung blühendes Leben zu gehen.

-> Die satten, also die zufriedenen Menschen, spüren: Von Gott stammt all das Gute meines Lebens; er schenkt es mir, damit ich mich daran freuen kann. Wie das tägliche Brot gibt Gott mir Energie fürs Leben. Die Dankbarkeit dafür macht mich glücklich.

Liebe Schwestern und Brüder, lassen wir uns im positivsten Sinn betreffen von diesen beiden Drei-Wörter-Sätzen Gottes, weil wir wissen: Was Gott da gesagt hat, betrifft jede und jeden von uns ganz persönlich und verändert unser Leben zum Guten! So können diese beiden Sätze in uns durch und durch positive Gefühle auslösen, die uns gut tun. Trost, neuen Mut, Dankbarkeit und Glück empfinden wir dann – und damit eine intensive Zuneigung zu dem, der uns sagt:

Ich bin da. Da für dich.
Ich bin Brot. Brot zum Leben.